Eine Schule für alle!

Es wird wieder eifrig diskutiert. Über Euch. Über Eure Schulen. Über Eure Zukunft. Als Jusos mischen wir uns da ein, denn die jüngste Debatte über das achtjährige Abitur (G8) in NRW betrifft viele Schülerinnen oder Schüler in der Gemeinde Hünxe. Zusammen mit Heinz-Dieter Hamm, Vorsitzender der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Kreis Wesel (GEW) und Rolf Görlinger, Abteilungsleiter der Oberstufe an der Gesamtschule Hünxe (GSH) haben wir über ein gutes Schulmodell diskutiert. Eine echte Chance für gutes Lernen und gute Bildung sehen wir abseits des heutigen Schulsystem, nämlich in der „Schule für alle“.

Hasten, Hetzen, Stress

Die Umstellung von G8 auf G9 an Gymnasien vor vier Jahren war überhastet. Wichtige Voraussetzungen für ein gutes Lernen, wie die Entrümpelung voller Schulpläne, waren unerfüllt. Es wurde schlicht die Zeit zum Lernen verkürzt. In der Folge sieht es für außerschulisches Engagement verdammt knapp aus. Im Sportverein mitmachen, im Chor singen oder sich politisch einbringen ist schwierig.

Ein schwerer Fehler der aktuellen Schulpolitik besteht in der verkürzten Sekundarstufe I. Denn die dauert an Gymnasien nur noch 5 statt 6 Jahre. Wer gerade von der Grundschule aufs Gymnasium wechselt und -sagen wir’mal so- in keiner einfachen Lebensphase um die 14, 15, 16 steckt, kann dieses fehlende Jahr am wenigsten verkraften. Schafft jemand dann nicht den Sprung in die Oberstufe, verlässt er oder sie das Gymnasium aktuell ohne Schulabschluss. Der Druck auf die Schülerschaft sei durch die Schulzeitverkürzung gestiegen, was wiederum den Nachhilfesektor blühen lasse. Nicht jede Familie könne sich jedoch Nachhilfe leisten, weshalb Kinder und Jugendliche auf der Strecke blieben.

Für eine Schule für alle

Eine echte Chance sehen wir, das ergab unsere ergiebe Diskussionsrunde, in der „Schule für alle“. Dort könnten Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen und individuell gefördert werden. Gerade auf die individuelle Förderung kommt für gutes Lernen an. Und keine Sorge da draußen. Eine ,Schule für alle‘ ist keine Einheitsschule. Die Abschlüsse, die bisher an Haupt- und Realschulen sowie an Gymnasien angeboten werden, könnten hier gemacht werden – wie an der Gesamtschule, erklärt unser Vorsitzender Benedikt-Lechtenberg. Die Sekundarstufe I würde sechs statt fünf Jahre dauern. Die Zeit bis zum Abitur könnte zwischen zwei und vier Jahren Oberstufe flexibel gestaltet werden.

Klar. Hier muss auch Geld reingesteckt werden: in Lehrerinnen und Lehrer und in eine gute Ausstattung der Schulen. Nur wo ist unser Geld besser angelegt, als in der Bildung von Kindern und Jugendlichen?, erklärt unsere 2. Chefin Dominique Freitag. Das Gymnasium als Statussymbol ist allerdings nach wie vor stark. Möglich wäre daher ein Zwei-Säulen-Modell mit Gymnasium und der „Schule für alle“. Das bietet klare Angebote und reduzierr die beinahe unüberschaubare Vielzahl an Schulformen in Nordrhein-Westfalen. Für eine bessere Organisation der Bildung käme es auch auf die Zentralisierung der Schulpolitik in Berlin an, die bisher bei allen 16 Bundesländern liegt.

Wir wollen den Stein ins Rollen bringen – sonst wären wir nicht die Jusos

Von heute auf morgen geht das nicht, nur anfangen muss man. Gute Vorschläge und Konzepte liegen dafür schon vor. Wir wollen zumindest den Stein ins Rollen bringen – sonst wären wir nicht die Jusos.

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